Der Artikl is im Dialekt vom niederbayerischen Donautal gschriem worn.

Fraestaat is a Begrief aus da Najern daetschn Gschicht und bedaet an Staat, in dem s Voek der Souverän is, in dem also koa(n) Monarch ned regiat.

Herkumft vo dem Wort

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Es is im 18. Joahundat aufkemma und im 19. Joahundat a Synonym fia Republik worn, had si awa da no ned recht duachgsetzt. So gibt z. B. da GRIMM[1] no im Joa 1878 unta Fraestaat nuabloß a(n „respublica". Und ned amoe des stimmt ganz, wae des aa bloß Staat hoaßn ka(n. Ma siehgt des schee(n in der Schrift de re publica (Vom Staat) vom Cicero, wo s hoaßt[2]: „Wenn awa allszsamm mitanand bo am Oanzign is, dann hoaßn ma denselbm Oanzign an Kine und Kineraech den Status vo dera respublica." Freistaat is in Wirklekaet de Iwasetzung vo dem Wort, des wo in da Antike de Rema fia eahna Republik hergnumma habnd: libera res publica (freia Staat).

(Dass de Bedeitung vo dem Wort nix, awar aa garnix, mid der richte oda falsch vostandna liberalitas Bavariae z tuan had, is ee klar.)

Fraestaat nach m Erschtn Wöjtkriag und haetzdogs

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S Wort Fraestaat is aegndle eascht mid m End vo de daetschn Monarchien im November 1918 aktuej wordn, speziej in Bayern. Da had z Minga da Eisner am 7. Novemba im Landdogsbau im Groußn Sitzungssaaj den "Freien Volksstaat Bayern" proklamiat, und oan Dog drauf gibt a in da "Proklamation An de Bevölkerung Münchens" bekannt: „Bayern ist fortan ein Freistaat."[3] Inwiawaet da Eisna dadamit s parlamentarische System gmoant hat, is ned recht klar. Er hat si auf de Räte gstützt, gegen de Mehrheits-SPD (MSPD), awa es war ned sicha, ob de revolutionärn Massn wirkli auf saena Saetn blaebm. Ma muaß awa vor dem Missvaständnis auf da Huat sae(n, da Eisner häd de Räterepublik ausgruaffa. - Haet vosteht ma unta r am Fraestaat a parlamentarische Demokratie.

Warum si in da fraglichn Zaet s Wort Fraestaat statt Republik duachgsetzt had, da drüwa kann ma bloß spekalian. Es kunnt sae(n, dass in da Zaet vo da Aufklärung da Begrief Republik ned daetli gnua vo da Monarchie absetzt wordn is. Jednfajs is s Wort Freistaat üwa Bayern ausse in Schwang kemma: A ganze Rae vo daetsche Staatn hat si nach m End vo ihrane Monarchien aso gnennt. Mit Recht! Wae des is direkt offiziej also gwesn: In da Weimarer Reichsverfassung vo 1919 fias Daetsch Raech had s im Artikl 17 ausdrickli ghoaßn: „Jedes Land muß eine freistaatliche Verfassung haben." Aa haetzags in da[Bundesrepublik Deitschland gibt s newa Bayern aa no anderne Länder, di wia si Freistaat nennan.

  1. Jacob und Wilhelm Grimm, Deutsches Wörterbuch Bd. 4. Leipzig (Hirzel) 1878
  2. 1,42: cum penes unum est omnium summa rerum, regem illum unum vocamus et regnum eius rei publicae statum
  3. Vgl. Max Spindler (Hg.), Bayerische Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert 1800 bis 1970, Bd. 1. (Beck) München, Sonderausgabe 1978, [ISBN 3- 406-02308-7] S. 397.